Peter Hellwig, 13.09.21,
Wenn ich mir die Haltung und die Mitteilungen der Politik und der Presse versuche zu erklären, komme ich nicht umhin, es entweder als absichtliche Verwirrung oder als unbewusste Handlung zu beschreiben.
Ich kann es mir nur durch die unbewussten Folgen von Trauma erklären.
Wenn ich bei kollektivem Trauma eine Analogie zu individuellem Trauma sehe, zeigt sich mir folgendes Bild. Das „Symptom Corona“ ist bereits der (hilflose) Versuch des kollektiven Unbewussten eine Heilung herbeizuführen.
Was bedeutet das? Wie kann die ganze Corona Problematik bereits ein Hinweis auf die Lösung des Problems sein?
Ich sehe das so:
Beim individuellen oder persönlichen Trauma wiederholen wir die Situation immer wieder neu, so lange, bis wir eine Lösung finden, die aus einem höheren Bewusstsein kommt. Diese Wiederholungsschleifen können täglich, monatlich, aber auch über Jahre und Dekaden verlaufen. Die Wiederholungen finden so lange statt, bis wir eine reifere Lösung finden. Das sehen wir bei fast jedem von uns, bei vielen Menschen durch immer wieder neue Beziehungen mit ähnlichem Muster.
Auch im Kollektiv gibt es tiefe Verletzungen, die sich periodisch wiederholen, die Folgen davon werden Traumata genannt. Diese Traumata, also nicht erlöste Verletzungen, also nicht zu Ende gefühlte Gefühle, streben jede Sekunde des Tages danach, eine Heilung zu erfahren.
Sobald die Situation im Außen auf unbewusster Ebene eine Schwelle von mehr Sicherheit überschreitet als wir sie sonst im Alltag erleben, taucht eine Wiederholung auf. Warum bei mehr Sicherheit? Weil unser Unbewusstes dann neue Möglichkeiten der Heilung für möglich hält.
Leider äußert sich das Unbewusste nicht in der Form, dass es eine weiße Fahne schwenkt und dann sagt: „ich aktiviere gerade mein Trauma und brauche Hilfe an dieser Stelle von einem oder mehreren Menschen, die eine größere und weitere Perspektive einnehmen können!“ Sondern es drückt die Problematik aus, wie es sie immer ausdrückt, mit Wut, Arroganz, Erstarrung oder Beschämung oder Beschuldigungen.
Wie lassen sich diese Behauptungen auf die gegenwärtige Situation übertragen?
Es gibt einige Aspekte, die für Trauma wichtig sind. Hilflosigkeit, Ohnmacht, Angst, Schuld, Scham oder Beschämung, Starre oder Aktivierung, sind die sichtbare Oberfläche davon. Ich unterscheide Schuld und Scham folgendermaßen.
Schuld bezieht sich dabei auf eine falsche Handlung, für deren Tat ich schuldig bin, während Scham sich auf meine ganze Person bezieht, nicht nur auf das, was ich im Einzelnen getan habe. Scham sagt also: ich BIN falsch! Und Schuld: Ich habe etwas falsch gemacht.
In unserer Welt sehen wir aktuell unglaublich viel Angst und Beschämung. Meinungen werden nicht mehr zugelassen und das in einer scheinbar bis vor 2 Jahren so pluralistischen Weltordnung. Im Gegenteil, Menschen werden für ihre gegenläufige Meinung diskreditiert, abgewertet, für unwürdig gehalten. Diffamierung und Beschämung sind auf beiden Seiten, den Maßnahmenbefürwortern und den Gegnern, an der Tagesordnung. Gleichzeitig werden die Freiheit und die Meinungsäußerung massiv eingeschränkt. Solche Situationen gab es in den letzten hunderten von Jahren immer wieder. Daraus resultieren eine Menge kollektive Traumata. Doch wenn wir uns nur auf Deutschland beziehen und von da aus auf die letzten 100 Jahre, dann sehen wir, dass es im Dritten Reich auch mit massiver Abwertung und Beschämung angefangen hat. Ganze Bevölkerungsgruppen wurden als lebensunwert betrachtet. Dazu zählten Juden, so genannte „Zigeuner“, Menschen mit Behinderungen, Homosexuelle und viele mehr. Menschen haben Menschen eingesperrt, gequält, entmenschlicht, massenhaft ermordet und schließlich verbrannt.
Kann man so etwas tun, ohne im Hintergrund des eigenen Bewusstseins das Unrecht darin zu erkennen? Wohl bemerkt, diese Untaten wurden von vielen Familienvätern und normalen Mitgliedern der Gesellschaft verübt. Sie übernahmen keine echte Verantwortung für ihr Handeln in diesen Augenblicken. Sie folgten den normativen Ideologien der Gesellschaft, die sich im Laufe der vorherigen 20-30 Jahre entwickelt hatten.
Wenn sich in einem einzelnen Menschen ein Trauma immer wieder wiederholt, um dadurch eine Heilung herbeizuführen, die dann aus einem reiferen Handeln entsteht, wie sieht Heilung dann wirklich aus?
Was wir in der Therapie und auch in Familienaufstellungen bereits immer wieder sehen können, ist folgendes: wenn die Gesamtsituation emotional wirklich durchgefühlt wurde, sei es, dass jemand ausgeschlossen war oder jemand als Täter ein großes Unrecht verursacht hatte, dann entspannt sie sich.
Die bisher unterdrückten Gefühle wollen gefühlt werden, und zwar nicht nur allein, sondern in Gemeinschaft. Wir sind Gemeinschaftswesen, Sozialwesen. Und damit sind wir auch eine Einheit. Das Kollektiv bildet uns ab.
Ich komme zurück zu dem eben Gesagten. Welche Gefühle treten in Menschen auf, die andere Menschen vernichten? Es gibt ein Unrechtsbewusstsein in uns. Das Unrecht wird irgendwo in uns wahrgenommen! Was passiert, wenn ich gegen die Menschenwürde verstoße? Was passiert in sozialen Gruppen, wenn ich massiv gegen menschliche Regeln verstoße?
– Ich schäme mich! Was passiert in der Gruppe, wenn meine Scham von mir UND den anderen gefühlt wird? Wenn diese Scham echt ist, werde ich wieder dazu gehören dürfen. Scham ist ein gruppenintegrierendes Gefühl. Diese Funktion der Scham ist für alle Gruppen wichtig, ob klein oder groß. Es ist wichtig für uns, dass wir Scham als Reintegrationsmöglichkeit in die Gruppe erkennen. Denn dieser Gruppenmechanismus könnte ein Schlüssel für die gegenwärtige Situation sein.
Wenn wir uns erlauben, die Situation als Ganzes anzuschauen und nicht auf einem der beiden Pole landen, von Maßnahmenbefürwortern auf der einen und Maßnahmengegnern auf der anderen Seite, dann haben wir die Möglichkeit von höherer Ebene darauf zu schauen. Wenn ich das in den letzten Monaten tat, wurde deutlich, dass Scham eine besondere Rolle spielt.
Doch bisher hatte ich nicht verstanden wie: Es bedeutet, dass die Heilung des Kollektivs es braucht, dass Gefühle, die bisher unterdrückt waren, gemeinsam gefühlt werden. Da es vornehmlich um Scham geht, müssen wir meines Erachtens die kollektive Scham anerkennen und wenn möglich auch fühlen. Wir sind, ob wir es wollen oder nicht, als Einheit mit dem kollektiven Bewusstsein verbunden. Wir wirken in es hinein und es wirkt auf uns, auch wenn wir es nicht als solches wahrnehmen. So hilft es schon kolossal einfach nur auszusprechen: „Wir schämen uns!“
Wenn diese Aussage Entspannung in deinem und meinem Körper herbeiführt, erkennen wir daran die Wahrheit. Das deshalb, weil das Unbewusste dem Körper sehr viel nähersteht, als dem Verstand. Dabei geht es nicht darum, was der Alltagsverstand dazu sagt, sondern nur um das, was ich oder wir im kollektiven Unbewussten glauben. Der Verstand wird vielleicht zuerst rebellieren und sagen: Ich schäme mich doch nicht!! Allerdings können wir hier vielleicht anerkennen, dass der Verstand mit dazu beigetragen hat, die Probleme zu schaffen. Er ist zu wenig mit dem Körper verbunden.
Warum hat dieser Satz überhaupt eine Wirkung? Weil ich mit diesem Satz eine Botschaft an das kollektive Unbewusste sende, durch welches es sich gesehen und anerkannt fühlt. Es besteht eine ständige unbewusste Kommunikation zwischen dem kollektiven und dem individuellen Unbewussten.
Wenn der Satz keine körperliche Entspannung macht, dann stimmt er nicht oder ich bin gerade zu sehr in der Abwehr. Es kann vorher hilfreich sein zu sagen: „ICH schäme mich!“ und dann „Wir schämen uns“, und dabei die körperliche Entspannung wahrzunehmen.
Auch das Gegenteil auszusprechen kann hilfreich sein. Wenn das Gegenteil richtig in mir wäre, müsste dabei Entspannung auftreten. Es ist gut damit ein bisschen zu spielen. Wenn deutlich wird, dass der Satz: „Wir schämen uns!“ wirklich Entspannung im Körper macht, sollten wir diesen als Mantra benutzen, und zwar so lange, bis das kollektive Narrativ sich verändert hat. Wenn der hier von mir aufgemachte Zusammenhang stimmt, wird das Aussprechen und Fühlen der bisher massiv verdrängten Scham unseres Kollektivs sich ausgedrückt, gesehen und wahrgenommen fühlen, so dass das Symptom Corona nicht mehr gebraucht wird. Es wird sich einfach totlaufen. Es wird niemanden mehr interessieren.
Ich nutze dieses Mantra seit einigen Tagen immer wieder dann, wenn ich mich über die Maßnahmen aufrege und dann entspanne ich mich augenblicklich. Dadurch bekomme ich viel mehr Möglichkeiten, angemessene Dinge zu tun und ich verliere nicht so viel Energie.
Danke dafür, dass Du bis hierher gelesen hast.
Wenn Du Fragen dazu hast, melde dich gerne bei mir. Peter Hellwig, www.hellerweg.de.
Wenn Dir meine Ausführungen sinnvoll erscheinen, leite sie gerne weiter. Ich finde, wir sollten jede Chance für ein Aufwecken der Menschen nutzen.
Danke ?

